Europa versus Schulmädchen

Nach Frankreich will nun auch die Schweiz dem Beispiel Österreichs folgen und Schülerinnen das Tragen eines Kopftuchs verbieten, aus Sorge vor Unterdrückung – auch wenn über 90 % der befragten österreichischen muslimischen Frauen die selbst ein Kopftuch tragen das Verbot ablehnen (Georgetown University).

Eine junge Nonne ohne Schleier als Gleichnis für Muslimas ohne Schleier, um zu veranschaulichen, was das Kopftuchverbot für Schülerinnen bedeutet.

Eine junge Nonne ohne Schleier als Gleichnis für Muslimas ohne Schleier, um zu veranschaulichen, was das Kopftuchverbot für Schülerinnen bedeutet.

Das seit Anfang 2025 geltende Burkaverbot in der Schweiz entfaltet bislang kaum praktische Wirkung. Verstösse sind selten, die Vollzugsprobleme gross, und Umgehungen – etwa durch Masken – werden toleriert. Das Gesetz bleibt damit vor allem ein politisches Symbol.

Gleichzeitig rückt ein neues Thema in den Fokus: das Kopftuch von Schülerinnen. In mehreren Kantonen laufen Vorstösse, die Mädchen unter 16 Jahren das Tragen des Kopftuchs an öffentlichen Schulen verbieten wollen. Besonders offensiv agiert die SVP, die neben kantonalen Regelungen auch ein nationales Verbot fordert – inklusive drastischer Sanktionen bis hin zu Schulverweisen und aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen für Eltern. Unterstützt wird dieser Kurs vom Egerkinger Komitee, das bereits hinter dem Minarett- und Burkaverbot stand und nun erneut eine Volksinitiative vorbereitet.

Rechtlich ist die Lage jedoch klarer, als es die politische Debatte vermuten lässt. Während Lehrpersonen zur religiösen Neutralität verpflichtet sind – gestützt auf ein Bundesgerichtsurteil von 1997 –, gilt dies nicht für Schülerinnen. Mehrere Urteile haben bestätigt, dass ein Kopftuchverbot für Kinder und Jugendliche einen schweren Eingriff in die Religionsfreiheit darstellen würde und weder den Unterricht noch den Schulfrieden beeinträchtigt. Fachjuristen bezweifeln daher, dass kantonale Verbote vor Bundesgericht Bestand hätten.

Politisch wird diese Einschätzung zunehmend infrage gestellt. Das Kopftuch gilt vielen nicht mehr nur als religiöses Symbol, sondern auch als Zeichen von Unterdrückung, insbesondere vor dem Hintergrund autoritärer Regime wie im Iran. Mit der wachsenden Sichtbarkeit muslimischer Frauen hat sich die Debatte verbreitert und reicht längst über rechtsbürgerliche Kreise hinaus. Auch in der Schweiz fordern Stimmen aus der politischen Mitte, der Staat müsse Mädchen vor religiösem Zwang schützen und die Schule als wertneutralen Raum sichern.

Der Bundesrat lehnt ein Kopftuchverbot für Schülerinnen bislang ab und verweist auf staatliche Neutralität sowie die Zuständigkeit der Kantone. Dennoch deutet vieles auf einen Stimmungswandel hin – auch über die Schweiz hinaus. In Österreich wurde kürzlich ein Verbot für Mädchen unter 14 Jahren beschlossen. Die Frage, ob das Kopftuch als Ausdruck von Freiheit oder als Symbol von Einschränkung gilt, dürfte damit weiter an politischer Sprengkraft gewinnen. (NZZ)

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Von Okay Altinisik | 30-12-2025, 11:44:35

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