Sind arme Länder verdammt zu Kohle, Öl und Gas?

Industrieländer sind mit Kohle, Öl und Gas wohlhabend geworden. Heute stehen ärmere Staaten vor der Frage, ob sie diesen Weg ebenfalls gehen dürfen – oder ob sie ihren wirtschaftlichen Aufstieg direkt auf erneuerbare Energien stützen sollen. Ob ein fossilfreier Entwicklungspfad realistisch, finanzierbar und wirtschaftlich sinnvoll ist, bleibt umstritten.

Die Welt als blauer Würfel als Folge ungezügelten Kohleabbaus.

Die Welt als blauer Würfel als Folge ungezügelten Kohleabbaus.

Länder wie Mosambik stehen exemplarisch an dieser Weggabelung. Vor der Küste locken milliardenschwere Gasprojekte mit hohen Staatseinnahmen, gleichzeitig verfügt das Land über großes, bislang kaum genutztes Potenzial für Wasser-, Solar- und Windkraft. Weil es noch keine unumkehrbaren Investitionen gibt, sind unterschiedliche Entwicklungsrichtungen offen, erklärt Nachhaltigkeitsexperte Philipp Trotter.

Während der internationale Druck wächst, neue fossile Projekte zu vermeiden, argumentieren viele Regierungen in Afrika und Asien, es sei unfair, ihnen denselben Wachstumspfad zu verwehren, den reiche Länder einst genutzt haben. Klimaforscher entgegnen jedoch, dass das verbleibende CO₂-Budget dafür nicht ausreiche. Zudem ist unklar, ob neue Gas- oder Kohleprojekte langfristig rentabel bleiben, da die globale Nachfrage nach fossilen Energien voraussichtlich bald ihren Höhepunkt erreicht.

Erneuerbare Energien sind inzwischen häufig günstiger als neue fossile Kraftwerke. Dennoch stellen hohe Anfangsinvestitionen für Netze, Speicher und Reservekapazitäten für viele Entwicklungsländer eine große Hürde dar. Kenia gilt als Erfolgsbeispiel: Das Land erzeugt fast 90 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Geothermie. Möglich wurde dies durch langfristige staatliche Investitionen und die Übernahme früher Risiken mit öffentlichen Mitteln, bevor private Investoren einstiegen.

Dieses Modell lässt sich jedoch nicht überall übertragen. Länder wie Mosambik oder Senegal sind hoch verschuldet und haben schlechtere Kreditbedingungen. Forschende betonen daher, dass es keinen einheitlichen Weg zur Energiewende gibt. Entscheidend sind unter anderem die wirtschaftliche Struktur, die Bedeutung fossiler Energien und der wachsende Energiebedarf.

Indien verdeutlicht diese Spannungen: Trotz eines starken Ausbaus von Solar- und Windkraft stammen weiterhin über 70 Prozent des Stroms aus Kohle. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch rapide. Eine sozial gerechte und schnelle Transformation ist dort besonders anspruchsvoll.

Ein zentraler Hebel bleibt die Finanzierung. Expertinnen und Experten fordern, dass wohlhabende Länder höhere Anfangskosten mittragen, Risiken absichern und deutlich mehr Klimafinanzierung bereitstellen. Das bei den UN vereinbarte Ziel von mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich gilt vielen als unzureichend.

Welche Zukunftsländer wie Mosambik wählen – fossiles Gas oder erneuerbare Energien –, hängt daher auch davon ab, ob reiche Staaten bereit sind, eine saubere Entwicklung finanziell zu unterstützen. (DW)

Von Okay Altinisik | 6-1-2026, 1:59:25

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