Die Welt nennt die Taliban ein Monstrum, und lässt gewähren, beklagt das Leid der Frauen, und schützt die Peiniger durch Passivität. Und Pakistan ist die einzige Macht, die ihnen entgegentritt.

Pakistanische Kampfjets bombardierten militärische Einrichtungen in Kabul. Bild: Pakistanischen Armee
In der Nacht auf Donnerstag überschritt der Konflikt zwischen Pakistan und der Taliban-Regierung in Afghanistan eine neue Schwelle. Pakistanische Kampfjets bombardierten Ziele tief im afghanischen Staatsgebiet, darunter militärische Einrichtungen in Kabul sowie Stellungen in den Provinzen Kandahar und Paktia. Es handelte sich nicht mehr um begrenzte Grenzschläge, sondern um koordiniert geflogene Luftangriffe im Landesinneren – eine militärische Eskalation, die das bisherige Narrativ von “Zwischenfällen” obsolet macht.
Islamabad bezeichnete die Angriffe als Reaktion auf vorherige Attacken afghanischer Taliban auf pakistanische Militärposten sowie auf fortgesetzte Terroranschläge der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), denen Pakistan Rückzugsräume in Afghanistan vorwirft. Die Taliban-Regierung wies diese Vorwürfe zurück und meldete ihrerseits Gefechte und Verluste auf pakistanischer Seite. Unabhängig von widersprüchlichen Angaben steht fest: Beide Seiten setzen offen militärische Gewalt gegeneinander ein – aus der Luft wie am Boden.
Damit drängt sich die Frage auf, die international auffallend gemieden wird: Ist das ein Krieg? Völkerrechtlich fehlt bislang die formelle Kriegserklärung, eine UN-Notifikation oder die Mobilisierung im klassischen Sinn. Politisch jedoch hat Pakistan die Grauzone bewusst verlassen. Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte unmissverständlich:
“Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch.”
Diese Worte ersetzen keine juristische Kriegserklärung, markieren aber eine Zäsur. Luftangriffe auf die Hauptstadt eines Nachbarstaates, gezielte Attacken auf militärische Infrastruktur und anhaltende Gefechte erfüllen faktisch die Kriterien eines internationalen bewaffneten Konflikts. Ob man ihn Krieg nennt oder nicht, ändert nichts an seiner Realität.
Und während sich die Kampfhandlungen verschärfen, reagiert die internationale Gemeinschaft mit altbekannten Reflexen. Die Vereinte Nationen, die USA, China, Russland und die EU äußern “tiefe Besorgnis”, mahnen “Zurückhaltung” und fordern “Dialog”. Keine Seite wird unterstützt, keine Verantwortung übernommen. Was als diplomatische Ausgewogenheit verkauft wird, ist in Wahrheit politische Bequemlichkeit.
Diese Zurückhaltung wäre bereits problematisch – wäre da nicht die eklatante Doppelmoral, mit der dieselben Akteure seit Jahren die Taliban-Herrschaft verurteilen. Die jüngsten Gesetzespakete in Afghanistan, die Frauen faktisch aus Bildung, Arbeit, Öffentlichkeit, Rechtsordnung verbannen – ja sogar ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit rauben – werden international zu Recht als systematische Entrechtung und Geschlechterapartheid gebrandmarkt. Erklärungen, Resolutionen und Sonderberichte folgen im Wochentakt. Konsequenzen jedoch nicht.
Man verurteilt das Taliban-Regime moralisch – und stabilisiert es politisch durch Untätigkeit. Man erkennt seine Barbarei an – und schützt es zugleich vor ernsthaftem Druck. Man fordert Rechte für Frauen – ist aber nicht bereit, den einzigen Akteur zu unterstützen, der dieses Regime real militärisch herausfordert.
Pakistan handelt dabei nicht aus Idealismus. Es geht um eigene Sicherheit, um Terrorismus, um staatliche Souveränität. Doch objektiv ist Pakistan derzeit die einzige Macht, die den Taliban nicht nur widerspricht, sondern ihnen entgegentritt. Diplomatie ohne Druck ist in Afghanistan gescheitert. Sanktionen ohne Durchsetzung sind wirkungslos und provozieren die Taliban nur brutalere Gesetze zu verabschieden, ohne Opposition. Appelle an ein Regime, das auf Gewalt und religiösem Zwang beruht, bleiben Illusion.
Das bedeutet nicht, Krieg zu glorifizieren. Aber es bedeutet, eine unbequeme Wahrheit anzuerkennen: Neutralität in dieser Lage ist keine moralische Haltung, sondern eine Ausrede. Wer die Taliban politisch überleben lässt, trägt Mitverantwortung für das, was sie täglich tun – insbesondere gegenüber afghanischen Frauen.
Die Welt nennt die Taliban ein Monstrum – und lässt sie gewähren. Sie beklagt das Leid der Frauen – und schützt deren Peiniger durch Passivität. Wenn es der internationalen Gemeinschaft ernst ist mit ihren eigenen Werten, dann muss sie aufhören, Pakistan zu bremsen, und beginnen, klare Kante gegen das Taliban-Regime zu zeigen. Alles andere ist Beihilfe durch Unterlassen, Unterlassungsdelikt, Mittäterschaft durch Unterlassen, Komplizenschaft durch Untätigkeit, Billigendes Inkaufnehmen, Schutzversagen, Beitrag durch Duldung, mit einem Wort: unmenschlich.
Gott sieht.
>>-> Afghanistan legalisiert Schlagen von Frauen
>>-> Wenn die Perle der Demokratie wie Afghanistan sein will
Von Okay Altinisik | 27-2-2026, 12:38:20
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