Zwei Israelinnen in Wien vermisst – was bekannt ist

Gerade weil die beiden Frauen Israelinnen und jüdisch sind, liegt es nahe, das Verschwinden sofort mit der angespannten politischen Lage und dem Antisemitismus in Europa in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es gegenwärtig jedoch keinen belastbaren Beleg. Umgekehrt wäre es ebenso voreilig, ein Verbrechen auszuschließen.

Bei den Vermissten handelt es sich um Mali Yahalomi und ihre Tochter Liel Yahalomi, vermutlich 50 und 23 Jahre alt. Bild: Soziale Medien

Bei den Vermissten handelt es sich um Mali Yahalomi und ihre Tochter Liel Yahalomi, vermutlich 50 und 23 Jahre alt. Bild: Soziale Medien

Wien – Seit Freitag fehlt von einer israelischen Mutter und ihrer Tochter in Wien jede Spur. Die israelische Botschaft hat am Dienstag einen dringenden öffentlichen Suchaufruf veröffentlicht. Über die Umstände ihres Verschwindens ist bislang nur sehr wenig bekannt. Gleichzeitig kursieren in israelischen Medien und sozialen Netzwerken zahlreiche Berichte. Sie sind jedoch nicht gleichermaßen abgesichert.

Bei den Vermissten handelt es sich um Mali Yahalomi und ihre Tochter Liel Yahalomi. Beide sind israelische Staatsbürgerinnen und hielten sich als Touristinnen in Wien auf. Nach Angaben der israelischen Botschaft wurden sie zuletzt am Freitag, dem 7. August 2026, in der österreichischen Hauptstadt gesehen. Seitdem besteht kein Kontakt mehr zu ihnen.

Die Botschaft veröffentlichte am 11. August einen öffentlichen Fahndungsaufruf und bittet Personen, die etwas über den Aufenthaltsort der beiden wissen, sich an die österreichische Polizei oder an die Notfallnummer der israelischen Botschaft unter +43 676 367 2304 zu wenden. Auch Mali und Liel selbst werden ausdrücklich aufgefordert, sich bei ihrer Familie oder der Botschaft zu melden.

Was offiziell beziehungsweise gut belegt ist

Nach dem derzeitigen Stand lassen sich folgende Punkte relativ sicher festhalten:

• Mali und Liel Yahalomi sind Mutter und Tochter.

• Sie sind Israelinnen, die sich in Wien aufhielten.

• Der Kontakt zu ihnen ist seit Freitag, 7. August, abgebrochen.

• Sie wurden zuletzt an diesem Freitag in Wien gesehen.

• Die israelische Botschaft hat am 11. August öffentlich um Hilfe bei der Suche gebeten.

• Die österreichische Polizei beziehungsweise die israelische Botschaft sollen informiert werden, wenn jemand Hinweise auf ihren Aufenthaltsort hat.

• Die Botschaft hat keine Einzelheiten über die letzte Sichtung oder die konkreten Umstände des Verschwindens veröffentlicht.


Auch die österreichische Berichterstattung bestätigt bislang im Wesentlichen diese Fakten.

MeinBezirk schreibt ebenfalls, die beiden seien zuletzt am 7. August in Wien gesehen worden und die Botschaft bitte um Hinweise. Wo genau sie zuletzt gesehen wurden, sei nicht bekannt.

Kein bestätigter Hinweis auf ein Verbrechen

Besonders wichtig ist, was nicht bekannt ist.

Bislang gibt es öffentlich keinen bestätigten Hinweis auf eine Entführung, ein Gewaltverbrechen oder einen Täter. Ebenso gibt es keinen öffentlich belegten antisemitischen oder terroristischen Hintergrund.

Im Gegenteil: Times of Israel berichtet unter Berufung auf israelische Medien, dass die Botschaft nicht davon ausgeht, dass das Verschwinden mit einem nationalistisch motivierten Vorfall zusammenhängt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Verbrechen ausgeschlossen wäre. Es bedeutet lediglich, dass ein entsprechender Verdacht derzeit nicht öffentlich bestätigt wurde.

Was derzeit kursiert – aber nicht gesichert ist

Rund um den Fall werden inzwischen weitere Angaben verbreitet. Hier ist Vorsicht angebracht.

  1. Der Naschmarkt als letzter Aufenthaltsort

In sozialen Netzwerken und einzelnen israelischen Berichten wird behauptet, Mali und Liel seien zuletzt in der Umgebung des Wiener Naschmarkts gesehen worden.

Das ist jedoch nicht offiziell bestätigt.

Die israelische Botschaft selbst schweigt in ihrem Suchaufruf über den Naschmarkt. Auch Times of Israel schreibt, dass weder Botschaft noch israelisches Außenministerium Einzelheiten über die letzte Sichtung veröffentlicht hätten.

Der Naschmarkt sollte daher derzeit lediglich als möglicher, nicht offiziell bestätigter letzter Aufenthaltsort bezeichnet werden.

  1. Alter 50 und 23 Jahre

Mehrere israelische und soziale Medien behaupten, Mali wäre 50 und Liel 23 Jahre alt. Diese Angaben werden inzwischen von mehreren Berichten übernommen.

Sie sind damit plausibler als manche anderen kursierenden Angaben, stammen aber nicht aus dem knappen offiziellen Suchaufruf der Botschaft.

  1. Eine Reise über Prag

Es wird außerdem berichtet, Mutter und Tochter seien zunächst in Prag gewesen und anschließend mit dem Zug nach Wien gereist.

Für diese Darstellung konnte bislang jedoch keine ausreichend belastbare offizielle Quelle gefunden werden.

Dasselbe gilt für weitere Details über ihre Unterkunft in Wien.

  1. Ein geplanter Rückflug nach Israel

Besonders häufig wird inzwischen behauptet, die beiden hätten einen Rückflug nach Israel am Dienstag, 11. August, gehabt und seien möglicherweise nicht am Flughafen erschienen.

Auch diese Information konnte bislang nicht zuverlässig bestätigt werden.

  1. WhatsApp und die letzten Kontakte zur Familie

In israelischen Berichten und sozialen Medien werden außerdem sehr konkrete Schilderungen über die letzten Kontakte zur Familie verbreitet – unter anderem über WhatsApp-Nachrichten und darüber, wann Angehörige zuletzt mit Mali gesprochen hätten.

Auch hier gilt: Diese Angaben sind derzeit nicht ausreichend unabhängig bestätigt, um sie als gesicherte Fakten darzustellen.

Warum der Fall Fragen aufwirft

Das eigentlich Bemerkenswerte ist weniger eine konkrete Spur als die große Informationslücke.

Eine Mutter und ihre erwachsene Tochter verschwinden während eines Aufenthalts in Wien. Vier Tage später veröffentlicht die israelische Botschaft einen öffentlichen Suchaufruf. Gleichzeitig gibt es bislang kaum öffentlich zugängliche Informationen darüber, wo genau die beiden zuletzt waren, wann eine Vermisstenanzeige erstattet wurde oder welche konkreten Ermittlungsmaßnahmen die österreichischen Behörden durchführen.

Die Wiener Polizei hat sich zu dem konkreten Fall bislang nicht öffentlich geäußert. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen wurde lediglich darauf verwiesen, dass bei einer Vermisstenanzeige grundsätzlich Ermittlungen aufgenommen werden.

Das Schweigen der österreichischen Behörden ist allerdings kein Beleg dafür, dass nicht ermittelt wird. Bei Vermisstenfällen werden längst nicht alle polizeilichen Maßnahmen öffentlich gemacht.

Kein Grund für voreilige Spekulationen

Gerade weil die beiden Frauen Israelinnen und jüdisch sind, liegt es nahe, das Verschwinden sofort mit der angespannten politischen Lage und dem Antisemitismus in Europa in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es gegenwärtig jedoch keinen belastbaren Beleg.

Umgekehrt wäre es ebenso voreilig, ein Verbrechen auszuschließen.

Der derzeit seriöse Kenntnisstand lautet schlicht: Mali und Liel Yahalomi werden seit dem 7. August in Wien vermisst. Die israelische Botschaft bittet dringend um Hinweise. Die Umstände ihres Verschwindens sind öffentlich weitgehend ungeklärt.

Alles darüber hinaus – Naschmarkt, Prag, Hotel, Rückflug, WhatsApp-Kontakte oder mögliche Hintergründe – muss momentan als unbestätigte Information oder Gerücht behandelt werden.
Für die beiden Frauen und ihre Familie bleibt vor allem zu hoffen, dass die öffentliche Suche rasch zu einer konkreten Spur führt.

Okay Altinisik | 12-8-2026, 23:16:05

Zwei Israelinnen in Wien vermisst – was bekannt ist

Gerade weil die beiden Frauen Israelinnen und jüdisch sind, liegt es nahe, das Verschwinden sofort mit der angespannten politischen Lage und dem Antisemitismus in Europa in Verbindung zu bringen. Dafür gibt es gegenwärtig jedoch keinen belastbaren Beleg. Umgekehrt wäre es ebenso voreilig, ein Verbrechen auszuschließen.

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