Von Freund zum Verräter: Was Israel von Trumps Friedensabkommen mit dem schiitischen Terrorregime hält

Das Abkommen wird stattdessen als Rettungsanker für einen langjährigen Erzfeind betrachtet – und kam nur wenige Monate nachdem er Hamas rettete.

Als Donald Trump Anfang 2025 wieder ins Weiße Haus einzog, galt er in weiten Teilen Israels als verlässlichster Verbündeter überhaupt. Kaum ein amerikanischer Präsident hatte die strategischen Interessen Jerusalems so offen unterstützt. Umso größer ist nun die Ernüchterung über sein Friedensabkommen mit dem Iran.

Besonders scharf fällt die Kritik in israelischen Medien aus. Die Nachrichtenseite Ynet veröffentlichte einen vielbeachteten Kommentar, in dem von einem „Verrat“ an Israel die Rede ist. Der Autor Boaz Haetzni argumentiert, dass Washington dem iranischen Regime wirtschaftliche und politische Erleichterungen verschaffe, ohne die zentralen Sicherheitsbedenken Israels ausreichend zu berücksichtigen.

Shimon Riklin, Moderator des Senders Channel 14, findet, Trump wäre Israel in den Rücken gefallen. Viele Vertreter des israelischen Sicherheitslagers hatten gehofft, dass der militärische Druck auf Teheran bis zu einer grundlegenden Schwächung oder gar einem Sturz des Regimes fortgesetzt würde. Das Abkommen wird von ihnen stattdessen als Rettungsanker für einen langjährigen Erzfeind betrachtet – und kam nur wenige Monate nachdem er Hamas rettete.

Selbst der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert räumte ein, dass das Abkommen in Israel durchaus als „Verrat“ wahrgenommen werden könne. Er verwies auf die große Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Kriegszielen und dem schließlich ausgehandelten Kompromiss.

Andere israelische Medien wählen zwar eine nüchternere Sprache, kommen aber zu ähnlichen Schlüssen. Kritisiert wird vor allem, dass das Abkommen weder das iranische Raketenprogramm noch die Unterstützung regionaler Verbündeter wie der sogenannten Hisbollah umfassend regelt. Zudem fühlen sich viele israelische Beobachter bei den Verhandlungen übergangen.

Dabei richtet sich die Kritik nicht ausschließlich gegen Donald Trump. Kommentatoren aus dem politischen Zentrum und der Linken werfen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, seine persönliche Nähe zum amerikanischen Präsidenten überschätzt zu haben. Aus ihrer Sicht hat Israel zu sehr auf einen einzelnen Verbündeten gesetzt und ist nun gezwungen, sich einer veränderten geopolitischen Realität anzupassen.

Dass ein amerikanischer Präsident, der lange als Israels engster Freund galt, heute von einigen israelischen Stimmen als Verräter bezeichnet wird, verdeutlicht, wie tief die Enttäuschung über das Iran-Abkommen in Teilen der israelischen Öffentlichkeit sitzt.

Von Okay Altinisik | 19-6-2026, 7:50:01

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