Richten sich die Proteste im Iran gegen den Islam – oder gegen seine politische Verzerrung?

Seit Jahren erschüttern Proteste die Pseudo-Islamische Republik Iran. Immer wieder lautet der Vorwurf aus Regierungskreisen, die Demonstrierenden richteten sich gegen den Islam selbst. Doch eine genauere Betrachtung zeigt: Diese Deutung greift zu kurz – und verkennt den Kern des Protests.

Der Fim „The Stoning of Soraya M“ verdeutlicht, wie die Verzerrung des Islam durch die Hadithe über Leichen geht: Frauen im Schiitentum sowie Sunnitentum werden ohne Grundlage im Heiligen Koran gesteinigt.

Der Fim „The Stoning of Soraya M“ verdeutlicht, wie die Verzerrung des Islam durch die Hadithe über Leichen geht: Frauen im Schiitentum sowie Sunnitentum werden ohne Grundlage im Heiligen Koran gesteinigt. Bild: Still aus dem Film von Cyrus Nowrasteh

Protest gegen Zwang, nicht gegen Glauben

Die Parolen auf Irans Straßen richten sich vor allem gegen Zwang, Repression und politische Bevormundung. Der verpflichtende Hijab ist dabei zum Symbol geworden – nicht, weil der Heilige Koran Frauenfeindlichkeit predige, sondern weil der Staat religiöse Vorschriften mit Gewalt durchsetzt.

Der Koran selbst kennt keinen Kopftuchzwang, der staatlich mit Strafen zu erzwingen wäre. Er appelliert an Bescheidenheit und Eigenverantwortung, nicht an Polizei, Gefängnis oder Moralbrigaden. Zwang im Namen Gottes widerspricht dem koranischen Grundsatz: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“ (Al-Baqara/Die Kuh 2:256) Der Umgang mit Nicht-Musliminnen im Iran steht im Widerspruch zur koranischen Logik. Der Koran sieht keine Bekehrungspflicht vor. Historisch war eine Abgabe (Jizya) Teil eines Schutzvertrags.

Die schiitisch-sunnitische Spaltung: politisch, nicht koranisch

Zentral ist die Frage, ob das Schiitentum – wie es staatlich im Iran praktiziert wird – tatsächlich aus dem Koran ableitbar ist. Fakt ist: Der Koran enthält keine Regelung zur Nachfolge Mohammeds. Weder Ali noch irgendein anderer Erbe wird göttlich bestimmt.

Die Spaltung zwischen sunniten und Schiiten entstand nach dem Tod des Propheten, aus politischen Machtfragen, nicht aus Offenbarung. Wer heute religiöse Autorität aus dieser Spaltung ableitet, tut dies außerhalb des Korans.

Theologische Grenzüberschreitung – die Anrufung Husseins

Besonders scharf fällt aus Schrift-zentrierter Sicht die Kritik dort aus, wo religiöse Praxis nicht mehr ausschließlich an Gott gerichtet ist. Kritiker verweisen darauf, dass in Teilen schiitischer Volksfrömmigkeit Dank- und Bittgebete bei gemeinschaftlichen Mahlzeiten oder Ritualen ausdrücklich an Hussein gerichtet werden, statt – wie im Koran durchgehend gefordert – allein an Gott.

Der Koran ist in dieser Frage eindeutig: Dank, Anrufung und Bitte dürfen ausschließlich Gott gelten. Jede religiöse Praxis, die eine andere Figur – selbst einen Propheten, Märtyrer oder Prophetenangehörigen – zum Adressaten macht, überschreitet aus dieser Perspektive die Grenze vom Gedenken zur sakralen Stellvertretung.

Für Schrift-zentrierte Kritiker ist dies kein nebensächliches Detail, sondern ein theologischer Kipppunkt: Während politische Instrumentalisierung oder historische Überhöhung noch als Fehlentwicklungen gelten können, wird die Umleitung religiöser Anrufung weg von Gott als fundamentaler Bruch mit dem monotheistischen Kern des Islam verstanden.

Diese Kritik richtet sich gegen ein System religiöser Praxis, das den absoluten Gottesbezug des Korans relativiert und damit den Islam nicht mehr aus der Offenbarung, sondern aus Ritual, Loyalität und politischer Identität definiert.

Koranismus: Der Heilige Koran als einziges Erbe des Islam

Eine wachsende Zahl von Musliminnen und Muslimen – im Iran wie außerhalb – vertritt eine klare Position: Nicht seine Nachfahren, Geistliche, Hadith-Sammlungen oder Rechtsschulen sind das Erbe Mohammeds, sondern allein der Koran.

Aus diser Perspektive der sogenannten Koranismus-Bewegung haben sowohl schiitische wie sunnitische Machttraditionen den Islam mit nachträglichen Regeln, Legenden und Autoritätsansprüchen überformt. Besonders im sunnitischen Raum wird kritisiert, dass widersprüchliche oder politisch motivierte Hadithe koranische Gebote faktisch außer Kraft gesetzt haben.

Die Sunna gegen den Heiligen Koran: Das Beispiel der angeblichen Kinderehe Aischas

Besonders deutlich wird der Konflikt zwischen Koran und späterer Überlieferung an Hadithen, die behaupten, der Prophet Mohammed habe Aischa im Kindesalter geheiratet oder die Ehe vollzogen. Diese Berichte werden bis heute von Teilen der sunnitischen Orthodoxie herangezogen, um Pädophilie religiös zu rechtfertigen.

Der Koran selbst setzt der Ehe jedoch klare ethische und rechtliche Voraussetzungen entgegen. Er bindet sie an Reife, Zustimmung und Verantwortungsfähigkeit:
Die Ehe wird als „feierlicher Bund“ beschrieben, Waisen erhalten rechtliche Selbstständigkeit erst mit erreichter Reife, und Partnerschaft wird mit Liebe, Barmherzigkeit und gegenseitiger Verantwortung verknüpft. Eine sexuelle Beziehung mit Unmündigen ist mit diesen Grundsätzen nicht vereinbar.

Aus Schrift-zentrierter Sicht entsteht hier ein grundlegender theologischer Bruch: Wenn Hadithe Praktiken legitimieren, die den Prinzipien des Korans widersprechen, können sie nicht verbindlich sein. Kritiker argumentieren, dass solche Überlieferungen historisch fragwürdig seien und über Jahrhunderte benutzt wurden, um patriarchale Praktiken zu rechtfertigen, die der Koran gerade überwinden wollte. Nicht der Koran, sondern spätere Hadith-Auswahl und Rechtsmeinungen schufen so eine faktische Aushebelung koranischer Ethik.

Der Iran-Protest als innerislamische Revolte

Die iranischen Proteste sind daher weniger ein Angriff auf den Islam als eine innerislamische Revolte gegen seine staatliche Verzerrung. Sie stellen die Frage, ob Religion Herrschaft legitimieren darf – oder ob Glaube wieder Sache des Gewissens werden muss.

Der eigentliche Konflikt verläuft nicht zwischen „Islam“ und „Westen“, sondern zwischen Offenbarung und Macht, zwischen Glauben und Zwang. Wer das übersieht, missversteht nicht nur den Iran – sondern auch den Heiligen Koran.

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Von Okay Altinisik | 12-1-2026, 23:57:28 (aktualisiert am 7-2-2026, 5:45:29)

AKTUALISIERUNG/45 000 Morde: Die biblische Dimension der Zerschlagung der iranischen Proteste

Ist “Gott” Derjenige, in Dessen Namen gefoltert wird, gerät das moralische Kompasssystem ins Wanken. Wer dann das Heilige verlässt, verliert den Boden der absoluten Gerechtigkeit unter den Füßen.

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Über 1.200 Menschen wurden am 7. Oktober 2023 massakriert – wie würde wohl die Türkei reagieren, wenn sie an Israels Stelle wäre?

Im Namen Israels: Danke, Hisbollah!

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