Vorwürfe der sexuellen Belästigung sollen sich bereits im Jahr 2022 ereignet haben. Als Nachfolge werden ORF-Niederösterreich-Landesdirektor Alexander Hofer, Kronehit-Geschäftsführer Philipp König sowie ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer gehandelt.

Die Vorwürfe sollen sich bereits zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor ereignet haben haben. (Symbolbild)
Wien. Roland Weißmann, Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF), hat am Sonntag, dem 8. März 2026, mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Auslöser sind Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die eine Mitarbeiterin des Senders gegen ihn erhoben hat. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen.
Die Vorwürfe
Eine Mitarbeiterin des ORF soll Weißmann unangemessenes Verhalten vorgeworfen haben, das sich bereits im Jahr 2022 – zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor – ereignet haben soll. Die genauen Umstände wurden von offizieller Seite nicht öffentlich gemacht, um den Schutz der betroffenen Person zu gewährleisten.
Stiftungsratsvorsitzender Thomas Lederer bestätigte gegenüber den Medien, dass dem Gremium sowohl Schrift-, Ton- als auch Bildmaterial vorgelegen habe, das ein Fehlverhalten nahelege. Nach Sichtung des Materials sei rasch gehandelt worden. Details zum Inhalt nannte Lederer nicht.
Gescheiterter Einigungsversuch
Laut Lederer hatte Weißmann die Möglichkeit, die Angelegenheit im Vorfeld einer Eskalation intern zu klären. Der Anwalt der betroffenen Mitarbeiterin wandte sich zunächst an den Stiftungsratsvorsitzenden und signalisierte, dass seine Mandantin eine außergerichtliche Lösung anstrebe. In der Folge gab es direkte Gespräche zwischen dem Anwalt der Mitarbeiterin und Weißmann – offensichtlich ohne Ergebnis.
Als bis Samstag keine Einigung erzielt werden konnte, zog der Stiftungsrat die Reißleine. Lederer erklärte: Wenn er sich mit der Person geeinigt hätte, dann würde es jetzt keine Konsequenzen geben. Weißmann reichte daraufhin am Sonntag seinen Rücktritt ein.
Weißmann weist Vorwürfe zurück
Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum übte scharfe Kritik an der Vorgehensweise des Stiftungsrats. Seinem Mandanten sei trotz einer extrem kurzen Frist von wenigen Tagen keine Gelegenheit gegeben worden, den genauen Sachverhalt zu kennen oder die Vorwürfe inhaltlich zu prüfen. Die mediale Verbreitung sei eine völlig unangemessene und überschießende Reaktion, die die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten massiv verletze.
Um weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden, habe sich Weißmann dennoch zum Rücktritt entschlossen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Interimslösung und Nachfolge
Radiodirektorin Ingrid Thurnher übernimmt die Führung des ORF kommissarisch. Sie soll offiziell mit der vorläufigen Leitung des Senders beauftragt werden. Die reguläre Wahl eines neuen Generaldirektors ist für August 2026 geplant.
Als mögliche Kandidaten für die Nachfolge werden ORF-Niederösterreich-Landesdirektor Alexander Hofer, Kronehit-Geschäftsführer Philipp König sowie ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer gehandelt. Eine Task Force soll die Vorwürfe gegen Weißmann weiter untersuchen.
Politische Reaktionen
Die politischen Reaktionen auf den Rücktritt fielen überwiegend zustimmend aus. Der Rücktritt wurde als notwendige Konsequenz gewertet. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sprach sich dafür aus, dass die Nachfolge von einer Frau übernommen werden solle, und betonte die Notwendigkeit von Transparenz bei der Neubesetzung.
Der Fall erschüttert den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in einer ohnehin turbulenten Phase und dürfte die Debatte über Machtmissbrauch und den Schutz von Betroffenen in Medienorganisationen neu entfachen.
Von Okay Altinisik | 10-3-2026, 13:27:26
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