Vorarlberg weist traditionell einen der höchsten Gender Pay Gaps in Österreich auf. Sprecherinnen wiesen darauf hin, dass die “Teilzeitfalle” in Vorarlberg aus Mangel an Kinderbetreuung resultiere.

Im Zentrum der Kritik steht die nach wie vor hohe Belastung von Frauen durch unbezahlte Care-Arbeit – also Kinderbetreuung, Haushalt und die Pflege von Angehörigen. Bild: omasgegenrechts.at
DORNBIRN – Es war ein ungewohnt stilles, aber umso eindringlicheres Bild, das sich am heutigen Montagmittag auf dem Dornbirner Marktplatz bot. Rund um die zentrale Säule versammelten sich zahlreiche Frauen, viele von ihnen mit weißen Masken oder Schildern bestückt, um unter dem Motto “ENOUGH! GENUG!” gegen strukturelle Benachteiligung und für echte Gleichberechtigung zu demonstrieren. Da der Weltfrauentag in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wurde der koordinierte Frauenstreik bewusst auf den heutigen Arbeitstag gelegt, um die wirtschaftliche Relevanz weiblicher Arbeitskraft zu unterstreichen.
Die “unsichtbare Arbeit” sichtbar machen
Die Initiative “frauen.zukunft.mitanand” hatte gemeinsam mit der Plattform “20.000 Frauen” zu der Kundgebung geladen. Im Zentrum der Kritik steht die nach wie vor hohe Belastung von Frauen durch unbezahlte Care-Arbeit – also Kinderbetreuung, Haushalt und die Pflege von Angehörigen.
“Wir stehen hier nicht für Almosen”, betonte Doris Lindner von der Initiative in ihrer Rede. “Wir stehen hier, weil die Wirtschaft in Vorarlberg ohne unsere unbezahlte Care-Arbeit morgen zusammenbrechen würde.” Die Forderung ist klar: Diese Leistungen müssen endlich im Bruttoinlandsprodukt (BIP) abgebildet und gesellschaftlich wie finanziell aufgewertet werden.
Vorarlberg als Schlusslicht beim Gender Pay Gap
Besonderes Augenmerk lag auf der spezifischen Situation im Rheintal. Vorarlberg weist im österreichweiten Vergleich traditionell einen der höchsten Gender Pay Gaps auf. Sprecherinnen wiesen darauf hin, dass die oft zitierte “Teilzeitfalle” in Vorarlberg häufig kein freiwilliges Lebensmodell sei, sondern aus einem Mangel an flächendeckender, ganztägiger Kinderbetreuung resultiere. Dies führe geradewegs in die Altersarmut, da die daraus resultierende “Pensionsschere” Frauen im Alter massiv benachteilige.
Ein Spannungsfeld der Argumente
Trotz der breiten Solidarität vor Ort blieben kritische Stimmen nicht aus. Während Vertreterinnen von Grünen und SPÖ die strukturellen Forderungen nach Lohnanpassungen unterstützten, fokussiert sich die Gegenseite vor allem auf den Ausbau der Infrastruktur.
Wirtschaftsvertreter und konservative Stimmen warnten im Vorfeld vor drastischen Maßnahmen wie einem vollen Lohnausgleich bei Arbeitszeitverkürzung, da dies die Wettbewerbsfähigkeit der Vorarlberger Industrie gefährden könnte. Man plädiert stattdessen für eine stärkere “Wahlfreiheit” der Familien und sieht die Lösung primär im quantitativen Ausbau der Betreuungsplätze, statt in direkten staatlichen Eingriffen in die Lohnstruktur.
Fazit des Streiktages
Der heutige Protest in Dornbirn hat deutlich gemacht, dass die Debatte um Gleichberechtigung im Ländle längst über reine Lippenbekenntnisse hinausgewachsen ist. Für die Organisatorinnen war der Tag ein Erfolg: Die Störung des gewohnten Betriebsablaufs an einem Montag sollte zeigen, dass das System ohne den Beitrag der Frauen – ob bezahlt oder unbezahlt – nicht funktioniert.
Von Okay Altinisik | 9-3-2026, 18:46:25
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