Gouverneur attackiert Islam und unseren Präsidenten

Der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen für eine frühere Aussage kritisiert, in der dieser im Jahr 2017 —im Kontext einer Debatte über Islamophobie— zugespitzt formulierte, nicht-muslimischen Frauen könnten eines Tages aus Solidarität mit Musliminnen Kopftuch tragen. DeSantis stellte diese Aussage als Beispiel europäischer politischer Fehlentwicklungen dar und griff sie im Rahmen einer kulturpolitischen Kritik auf.

Eine Nonne ohne Schleier als Gleichnis für Muslimas ohne Schleier, um zu veranschaulichen, was das Kopftuchverbot für Muslimas bedeutet.

Eine Nonne ohne Schleier als Gleichnis für Muslimas ohne Schleier, um zu veranschaulichen, was das Kopftuchverbot für Muslimas bedeutet.

Die Debatte berührt damit nicht nur Fragen der Meinungsfreiheit und Religionspolitik, sondern auch den Umgang mit religiöser Frauenkleidung als sichtbarem Symbol von Glauben.

Warum gläubige Frauen ihr Haar bedecken

Im Heiligen Koran heißt es ausdrücklich, gläubige Frauen sollen ihre Bedeckung tragen, „damit sie erkannt und nicht belästigt werden“ —Sure Al Ahzab/Die Truppen 33:59. Die Bedeckung ist kein Zeichen von Unterordnung, sondern eines von Identität, Schutz und Sichtbarkeit als religiöse Person. Sie markiert eine Grenze: Diese Frau gehört nicht dem öffentlichen Zugriff, nicht dem männlichen Blick, nicht der Verfügbarkeit.

Dasselbe Prinzip gilt seit Jahrhunderten im Christentum —und zwar vor allem für Frauen. Christliche Nonnen tragen Schleier, Ordenstracht und Kopfbedeckung aus exakt demselben Grund: um als Gott geweihte Frauen erkannt zu werden, um Distanz zur Sexualisierung zu schaffen und um Respekt einzufordern. Die Ordenstracht ist nicht zufällig entstanden, sondern eine bewusste soziale Schutzmarkierung.

Die unausgesprochene Abwertung

Gepriesen sei der Erhabene, wenn DeSantis nun das muslimische Kopftuch pauschal als Symbol einer gefährlichen oder rückständigen Kultur angreift, dann greift er implizit auch das christliche Frauenideal an, das über Jahrhunderte hinweg dieselbe Logik verkörperte. Der Schleier der Nonne und das Kopftuch der Muslimin entspringen unterschiedlichen Religionen —aber derselben Idee: Glauben sichtbar machen, Würde schützen, Belästigung verhindern.

Dass ein Politiker, der sich selbst als „frommen Christen“ inszeniert, diese Parallele ignoriert oder bewusst ausblendet, ist kein Zufall. Es ist politisches Kalkül. Das Kopftuch wird instrumentalisiert, um Angst vor dem Islam zu schüren —selbst wenn dafür christliche Traditionen faktisch mitverurteilt werden müssen.

Christenfeindlichkeit im Gewand des Kulturkampfs

Wer religiöse Frauenkleidung grundsätzlich problematisiert, stellt nicht nur den Islam infrage, sondern auch das christliche Verständnis von Frömmigkeit, Askese und weiblicher Selbstbestimmung jenseits sexueller Verfügbarkeit.

Fazit

Wer das Kopftuch muslimischer Frauen angreift, ohne die christliche Ordenstracht mitzudenken, betreibt keine Wertepolitik, sondern Selektivmoral. Und wer dies im Namen des Christentums tut, entkernt das Christentum selbst —seine Geschichte, seine Symbolik und seinen Anspruch auf Schutz der Würde aller Gläubigen.

Von Okay Altinisik | 9-1-2026, 20:56:14

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