Glyphosat: MAHA-Mütter kehren Trump den Rücken

Donald Trump und ausgerechnet Robert F. Kennedy Jr., langjähriger Kritiker von Glyphosat, stufen den als krebserregend kritisierten Unkrautvernichter als “kritisch für die nationale Sicherheit” ein. Der Club suburbaner Mütter ist wütend über Trumps “Liebesbrief” an die Pestizid-Konzerne.

Was in vielen ärmeren Ländern durchgeht, trifft in den USA auf Empörung. Frauen der konservativen Mittel- und Oberschicht schlucken nicht alles, was man ihnen vorsetzt.

Was in vielen ärmeren Ländern durchgeht, trifft in den USA auf Empörung. Frauen der konservativen Mittel- und Oberschicht schlucken nicht alles, was man ihnen vorsetzt. Bild: MAHA Action

Washington — Eine wachsende politische Krise zeichnet sich innerhalb einer bedeutenden, wenn auch zahlenmäßig kleinen Unterstützerbasis von Präsident Donald Trump ab: Teile der konservativen Make America Healthy Again (MAHA) Moms-Bewegung verkünden “verraten” worden zu sein, nachdem dieser einen umstrittenen Executive Order unterzeichnet hat, der die Produktion des als krebserregend kritisierten Unkrautvernichters Glyphosat sowie des dafür notwendigen Minerals Phosphor als “kritisch für die nationale Sicherheit” einstuft.

Der Beschluss, der formell am 18. Februar erlassen wurde, beinhaltet laut Regierungsangaben die Aktivierung des Defense Production Act, um die inländische Herstellung von Glyphosat-Herbiziden und Phosphor zu sichern. Die Begründung lautet, dies sei wichtig für die landwirtschaftliche Produktivität, die Lebensmittelsicherheit und sogar die nationale Verteidigung der Vereinigten Staaten.

Empörung unter MAHA-Aktivistinnen

Vertreterinnen der MAHA-Bewegung, die den Präsidenten zuvor in hohem Maße unterstützt hatten, reagierten empört. Viele fühlen sich in ihren Erwartungen an eine starke Gesundheits- und Umweltpolitik enttäuscht. Aktivistinnen wie Alex Clark, Moderatorin einer großen konservativen Gesundheits-Podcast-Show, bezeichneten die Entscheidung als “starken Schlag ins Gesicht” für Frauen, die im Vertrauen auf Trumps Versprechen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit ihre Stimme abgegeben hätten.

“Dieses neue Dekret zur Förderung von Pestiziden im Namen der nationalen Verteidigung ist das Absurdeste, was ich je gehört habe”, sagte Clark. Sie fügte hinzu, viele MAHA-Mütter seien “absolut wütend, entmutigt und unsicher, ob sie bei den Zwischenwahlen überhaupt noch wählen würden”.

Auch andere prominente Stimmen äußerten Kritik: Lori Ann Burd vom Center for Biological Diversity sprach von einem “kranken Liebesbrief” an die größten Pestizid-Konzerne weltweit und sah darin eine klare Priorisierung von Industrieinteressen über Gesundheitsschutz.

Rolle von Robert F. Kennedy Jr. und innerer Konflikt

Besonders brisant ist, dass der Schritt ausgerechnet unter Beteiligung von Robert F. Kennedy Jr., dem Gesundheits- und Sozialminister, erfolgt ist. Kennedy war lange Zeit ein scharfer Kritiker von Glyphosat-Herbiziden und galt als eines der zentralen politischen Gesichter der MAHA-Bewegung. Doch seine Unterstützung des Executive Orders hat viele Aktivistinnen überrascht und Verwirrung ausgelöst, weil er damit eine Position einnimmt, die im Widerspruch zu seiner früheren Kritik an Chemikalien und Pestiziden steht.

Politische Folgen und Reaktionen

Politische Beobachter sehen in der Entwicklung mehr als nur einen fachlichen Streit über Agrarchemie: Die Entscheidung könnte eine vertraute, konservative Wählergruppe – insbesondere suburban-orientierte Mütter – verprellen und das Vertrauensverhältnis in Trumps Gesundheitspolitik nachhaltig beschädigen. Einige MAHA-Anhänger warnen, dies könnte den Rückhalt für die Republikaner bei den bevorstehenden Zwischenwahlen im Herbst unterminieren.

Auf der anderen Seite betonen Trump-Regierungsvertreter, der Schritt sei notwendig, um kritische Versorgungsnetze zu sichern und die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten zu reduzieren, und stelle keine pauschale Billigung von Glyphosat in allen Anwendungen dar. Sie weisen darauf hin, dass parallel an nachhaltigen landwirtschaftlichen Lösungen gearbeitet werde.

Ein tiefer Riss in der Bewegung

Was als politischer Schulterschluss zwischen einer Bewegung für Gesundheit und einer präsidialen Agenda begann, droht sich nun in eine offene Spaltung zu verwandeln. Ob die MAHA-Mütter ihren enttäuschten Rückzug aus der politischen Unterstützung weiter vertiefen und welche Auswirkungen dies auf den US-Wahlkampf haben wird, ist eine Frage, die in den kommenden Wochen und Monaten beobachtet werden dürfte.

Von Okay Altinisik | 20-2-2026, 13:02:48

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