Oder warum das High Seas Treaty an 8 Milliarden Menschen scheitern könnte – und was kultiviertes Fleisch damit zu tun hat:
Mit dem sogenannten High Seas Treaty (BBNJ-Abkommen) hat die internationale Gemeinschaft im Jahr 2023 einen historischen Schritt gesetzt: Erstmals sollen die hohen Seegebiete jenseits nationaler Hoheitszonen – rund zwei Drittel der Weltmeere – rechtlich besser geschützt werden. Meeresschutzgebiete, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Regeln für genetische Ressourcen gelten seither als Hoffnungsschimmer für die bedrohte Hochsee.

Wäre die Rettung von Believer Meats, dem Pionier für zellbasiertes Fleisch, effizienter für den Schutz der Meere gewesen als ein weiteres internationales Regelwerk? Bild: Believer Meats/agfundernews
Doch die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Reicht ein Verwaltungsabkommen aus, um bei acht Milliarden Erdbewohnern die Meere tatsächlich zu retten?
Ein Abkommen gegen Symptome, nicht gegen Ursachen
Das High Seas Treaty setzt dort an, wo bislang ein rechtsfreier Raum herrschte. Es kann Übernutzung bremsen, Transparenz schaffen und rechtliche Lücken schließen. Was es jedoch nicht leistet, ist eine Reduktion des globalen Nutzungsdrucks auf die Ozeane.
Die Gründe für den Kollaps mariner Ökosysteme sind bekannt:
-steigender Proteinbedarf
-industrielle Fischerei
-Übernutzung als Nahrungs-, Transport- und Rohstoffquelle
Das Abkommen reguliert, aber es ersetzt nichts. Jeder Schutzstatus bleibt abhängig von politischem Willen, Überwachungskapazitäten und der Bereitschaft von Flaggenstaaten, Verstöße tatsächlich zu ahnden. Eine eigene Durchsetzungsmacht besitzt der Vertrag nicht.
In einer Welt multipler Krisen – geopolitisch, wirtschaftlich, demografisch – ist selektive Umsetzung realistischer als konsequenter Schutz.
Acht Milliarden Menschen: Die ökologische Rechnung geht nicht auf
Die unbequeme Wahrheit lautet: Selbst perfekt geschützte Hochseegebiete können die Meere nicht retten, wenn der globale Hunger nach tierischem Eiweiß weiter steigt.
Über 30 Prozent der weltweiten Fischbestände gelten bereits als überfischt. Viele Küstenregionen leben direkt oder indirekt vom Fischfang. Das High Seas Treaty kann Fangmethoden regulieren – aber es kann keinen Ersatz für Fisch als Nahrungsquelle bieten.
Genau hier öffnet sich der Blick auf eine Alternative, die politisch weit weniger Aufmerksamkeit erhielt als internationale Abkommen: kultiviertes Fleisch.
Believer Meats: Ein unterschätzter Hebel
Das US-israelische Unternehmen Believer Meats galt lange als eines der vielversprechendsten Projekte im Bereich zellbasiertes Fleisch. Ziel war es, echtes tierisches Protein ohne Tierhaltung, ohne Überfischung und mit drastisch reduziertem Ressourcenverbrauch herzustellen.
Die ökologische Logik dahinter ist bestechend:
-weniger Landnutzung
-deutlich geringerer Wasserverbrauch
-kein Beifang, keine zerstörten Meeresökosysteme
-potenziell massive Entlastung der Ozeane
Während Staaten Milliarden in Meeresschutzverhandlungen investieren, scheiterte Believer Meats zuletzt an Finanzierung, Skalierung und politischer Rückendeckung.
Die provokante Frage: Falsche Prioritäten?
Vergleicht man die Wirkungslogik beider Ansätze, drängt sich eine unbequeme Frage auf:
Wäre die Rettung und konsequente Förderung von Believer Meats effizienter für den Schutz der Meere gewesen als ein weiteres internationales Regelwerk?
Das High Seas Treaty verlangsamt Schäden, ohne Nachfrage zu senken.
Kultiviertes Fleisch hätte das Potenzial gehabt, Nachfrage strukturell zu ersetzen.
Ein funktionierender Markt für zellbasiertes Protein hätte:
-den Druck auf Wildfischbestände reduziert
-Aquakulturen entlastet
-Küstenökosysteme indirekt geschützt
Kurz: Es hätte Ursachen adressiert, nicht nur Symptome.
Politische Realität statt technologische Chance
Dass Regierungen eher Verträge unterschreiben als Produktionssysteme transformieren, ist kein Zufall. Internationale Abkommen sind politisch sichtbar, technologische Umbrüche hingegen riskant, teuer und konfliktträchtig.
Doch bei acht Milliarden Menschen reicht Symbolpolitik nicht mehr aus.
Fazit
Das High Seas Treaty ist notwendig, aber nicht ausreichend. Es kann Zeit kaufen, Schäden begrenzen und rechtliche Klarheit schaffen. Die eigentliche Rettung der Meere wird jedoch nicht auf Konferenzen entschieden, sondern dort, wo der globale Proteinbedarf neu gedacht wird.
Die Insolvenz oder Stagnation von Projekten wie Believer Meats ist deshalb mehr als ein wirtschaftliches Scheitern – sie ist ein ökologisches Versäumnis.
Wer die Ozeane wirklich schützen will, muss nicht nur regeln, wie viel genommen wird, sondern vor allem wodurch ersetzt wird, was wir heute aus dem Meer holen.
Von Okay Altinisik | 18-1-2026, 00:36:42
Niederösterreich blockiert Renaturierung Österreichs
Zwei Jahre nachdem die damalige Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit ihrem Ja im EU-Umweltrat die europäische Renaturierungsverordnung erst möglich gemacht hatte, ist der Konflikt zurück.
Energiewende versus Tierschutz: Eine Lösung für das Windrad-Dilemma
Schätzungen zufolge werden alleine in Deutschland jährlich 100.000 bis 250.000 Vögel pro Jahr durch Windkraftanlagen getötet, in Österreich 10.000.
Die hohe Kunst des Aktivismus: Greenpeace überklebt Autobahn-Schilder
Zwar dienen diese Proteste dazu, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen, doch stellt sich die Frage, wo die Grenzen liegen.
30 Milliarden für grüne Industrie – und Atom als zweite Säule
Von der Leyen scheint einen Ausweg aus den Spannungen am Ölmarkt und den Fängen des Iran und Russlands gefunden zu haben.