Die Geschichte der Romanioten – jener uralten jüdischen Gemeinschaft Anatoliens – gehört zu den am wenigsten erforschten Kapiteln jüdischer Geschichte. In diesem Artikel verbinde ich meine eigene Entdeckung meiner jüdischen Wurzeln mit einer historischen Untersuchung über die Ankunft dieser Gemeinschaft in Anatolien – und möchte damit einen ersten Schritt wagen, um diese Lücke zu schließen.

Das Cohen’s Smartfood am Hauptbahnhof gibt es leider nicht mehr und ist mittlerweile ins Café im jüdischen Museum in der Dorotheergasse 11, 1010 Wien, übersiedelt. Es ist sehr zu empfehlen! Bild: Cohen’s Smartfood
Wien, Hauptbahnhof. Einen junger Koch den ich begaffe: Sein Gesicht ist das Gesicht meines Cousins.
Ich sitze im Cohen’s Restaurant und dieser Typ sieht aus, als wäre er aus meiner Familie herausgeschnitten. Gleiche Knochen. Gleiche Augen. Ja sogar gleiche Lippen. Ein Spiegel, der eine Geschichte reflektiert, die in meiner Familie nie erzählt wurde.
Meine Eltern kommen aus Yukarıçağlar, einem kleinen Dorf nahe Ermenek, tief im anatolischen Taurus-Gebirge der Karamanregion. Sie sind Arbeiter, Immigranten, sozialistisch angehaucht. Es gab bei uns keine Rituale, keine Bibel, keine Torah, nicht den geringsten Schimmer vom Judentum. Nichts, was auf eine verborgene Identität hindeutet. Und doch: Seit diesem Nachmittag in Wien lässt mich eine Frage nicht mehr los, die ich mir seither immer wieder stellen musste – eine Frage, die historisch, genetisch und menschlich zugleich ist:
Wow, bin ich wirklich Jude?
Das Nachbardorf des Ministerpräsidenten
Taşkent ist ein kleines Dorf, vielleicht eine Stunde von Yukarıçağlar entfernt. Von dort stammt Ahmet Davutoğlu – Davidson auf Türkisch. Er war Außenminister, dann Ministerpräsident der Türkei, Architekt der AKP-Außenpolitik, später Gründer seiner eigenen Partei.
Ich erhebe keine Behauptungen über Davutoğlu. Das wäre unfair und spekulativ. Aber seine Herkunft aus dieser Region ist der Ausgangspunkt einer viel größeren Frage: Was wissen die Menschen dieser Berge über ihre eigene Abstammung? Und was haben Jahrhunderte der Assimilation, des Schweigens und des politischen Drucks davon ausgelöscht?
Die Region Karaman – das historische Karamaniden-Reich – war jahrhundertelang ein Schmelztiegel. Hethiter, Perser, Römer, Byzantiner, Seldschuken, schließlich Osmanen. Jede Zivilisation hinterließ Spuren. Und mittendrin, seit mindestens 2.500 Jahren: Juden.
Im 2. Jahrhundert vor Christus lebten Juden in mehr als fünfzig Städten Anatoliens. Vor der osmanischen Zeit, vor 1492, vor den Sepharden, war die jüdische Urbevölkerung Anatoliens, die romaniotische, direkt aus Israel stammend.
Dann kamen die Wellen der Assimilation:
-Die Byzantinische Zwangskonversionen (6.–11. Jh.)
-Der Seldschukischer Druck (ab 11. Jh.)
-Die Karamaniden-Periode in unserer Region (13.–15. Jh.)
-Die Osmanische “Vereinheitlichung” (15.–16. Jh.)
-Das Türkisches Nachnamensgesetz 1934 – Die letzte Verwischung
Jede Welle verbarg mehr. Was übrig blieb, waren Familien ohne Gedächtnis.
Pamphylien – nicht Spanien
Wenn in der Türkei von Juden die Rede ist, denkt man an die Sepharden: die Vertriebenen aus Spanien, die 1492 im Osmanischen Reich Zuflucht fanden, die Ladino sprechenden Kaufleute Istanbuls und Izmirs. Das ist die bekannte Geschichte.
Aber sie ist nicht unsere Geschichte.
Unsere Geschichte fängt wohl mit dem Babylonischen Exil um 586 vor Christus an – der ersten großen Jüdischen Diaspora in Richtung Anatolien. Jeremia war der Prophet, der uns davor warnte, leider vergeblich.
Die Region südlich des Taurus, in der meine Eltern aufwuchsen, war in der Antike Teil Pamphyliens – einer Region, die sich entlang der Mittelmeerküste von Lykien bis Kilikien erstreckte und nach Norden bis ins Gebirge reichte. Die antike Stadt Side liegt an dieser Küste. Perge. Attalia – das heutige Antalya.
Pamphylien war laut einem römischen Dekret von 142 vor Christus – zitiert im ersten Makkabäerbuch – eine der Regionen, in denen der römische Konsul Lucius den erneuerten Freundschaftsvertrag zwischen dem römischen Senat und der jüdischen Nation bekannt machte. Daraus schließen Historiker auf die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Pamphylien. Es gibt zudem Erwähnungen von Juden in Pamphylien in der Stadt Side, sowie in Philos Berichten und in der Apostelgeschichte.
Zur Hellenistischen Zeit, zweites Jahrhundert vor Christus, lebten Juden in mehr als fünfzig Städten Anatoliens. In Antalya selbst wurde 2013 ein Menorah-Fragment aus dem 4. oder 5. Jahrhundert ausgegraben – ein direkter archäologischer Beweis für jüdisches Leben in der Stadt, die das Hinterland der Heimatregion meiner Eltern bildet.
Diese Juden kamen nicht aus Spanien. Sie waren schon da – seit der Zeit Alexanders des Großen, vielleicht früher. Sie waren die Ureinwohner dieser Küste und dieser Berge.
Als die Seldschuken im 11. Jahrhundert Anatolien überrannten und die Karamaniden ab 1228 die Region des Dorfes meiner Eltern übernahmen, verschwanden die jüdischen Gemeinden nicht. Sie lösten sich auf – in die sunnitische Mehrheitsbevölkerung hinein, Generation für Generation, bis nichts mehr übrig war außer den Gesichtern.
Altınışık. Köfün. Goldlicht. Korb. Oder Priester.
Das türkische Nachnamensgesetz von 1934 war Atatürks Befehl an alle Bürger: Nehmt türkische Nachnamen an. Viele Minderheiten – Juden, Armenier, Griechen – übersetzten ihre Familiennamen oder verschlüsselten sie. Aus Cohen wurde Tekinalp. Aus Abraham wurde İbrahim. Namen verschwanden. Identitäten wurden begraben.
Mein Familienname väterlicherseits lautet Altınışık. Auf Türkisch bedeutet das “Goldlicht”. Ein schöner Familienname – aber auch ein Familienname der jüdischen Namensmustern und Symboliken folgt und unter europäischen/amerikanischen Juden weit verbreitet war und ist. Zufall?
Der Familienname mütterlicherseits: Köfün – so selten, dass er sich nicht in den öffentlichen Namensdatenbanken finden lässt. Phonetisch liegt er auffällig nahe an Kohen – dem hebräischen Namen des jüdische Priesterstammes, eine der ältesten und verbreitetsten jüdischen Familienbezeichnungen überhaupt. Die Verbindung ist kaum zufällig. Und doch – niemand in meiner Familie hat sie ausgesucht.
Als ich auf Facebook so meine Zeit vertreibe, entdeckte ich den Namen Köfün auf einmal auf Zypern. Das ließ mich nicht los. Zypern liegt keine Flugstunde von der anatolischen Südküste entfernt. In der Antike war die Verbindung zwischen der pamphylischen Küste und Zypern eine Handelsroute, eine Migrationsroute, eine Fluchtroute. Eine Priester-Linie die sich ins Bergland zurückzog, Zypern als Zwischenstation nutzte und dort Ableger zurückließ: das ist keine Fantasie, sondern eine plausible historische Hypothese.
Was der Boden unter dem Dorf verrät
In Yukarıçağlar – dem Dorf meiner Eltern – liegt die antike Stadt Sibide. Archäologen haben dort Felsengräber und einen Marmorsarkophag aus dem dritten Jahrhundert vor Christus ausgegraben. Die Inschriften sind noch nicht vollständig entschlüsselt. In der Nähe, in Gökçeseki, fanden sich acht römerzeitliche Marmorsarkophagi auf einer Plattform, dazu neun Büsten von Kaisern und Senatoren aus Kalkstein.
Wer wurde in dieser Region begraben? Wer hat hier gelebt? Die Antwort der Archäologie lautet bisher: unbekannt. Die Frage, ob jüdische Gemeinden zu diesen Begräbnissen gehörten, wurde nie systematisch gestellt. Judenhass ist ein Gebot der Sunna der Sunniten und Schiiten.
Ermenek selbst trägt noch heute seinen antiken Namen: Germanicopolis. Eine byzantinische Bischofsstadt. Die Byzantiner bauten dort Kirchen und Klöster in Felsenwände. Sie herrschten über eine Bevölkerung, die aus Schichten verschiedener Völker und Glaubensrichtungen bestand – darunter, wie wir wissen, auch Juden.
Die Byzantiner versuchten mehrfach, die Juden Anatoliens zwangsweise zu christianisieren. Manche konvertierten. Andere entzogen sich in die Bergregionen. Und wieder andere assimilierten so vollständig, dass selbst die Erinnerung an die Konversion verblasste.
Wien: Das Gesicht des Anderen
Nach dem Koch im Hauptbahnhof kamen weitere Momente. Ich sah ein Foto von Anne Frank in einem bestimmen Lächeln – und erkannte das Gesicht eines anderen Cousins. Ich sah ein Foto des israelischen Generals Gal Hirsch aus einem bestimmten Blickwinkel – und erkannte meinen Vater. Ich sah ein Foto des französisch-mexikanischen Musikers Orión Hernández Radoux, Opfer des 7. Oktober, und sah ins Gesicht meiner Schwester. Ich sah beim Zahnarzt einen ungarischen Flüchtling, und erkannte meinen verstorbenen Onkel.
Das ist keine Halluzination. Das ist die Genetik von 12 Geschwistern, den Söhnen Jakobs/Enkeln Abrahams/Stämmen Israels.
Die Sepharden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden und im Osmanischen Reich Zuflucht fanden, trugen ein Gesicht mit sich – ein mediterran-levantinisches Gesicht, das sich über Jahrhunderte in isolierten Gemeinschaften erhielt. Aber dieses Gesicht ist kein exklusiv sephardisches Merkmal. Es ist das Gesicht der Romanioten – der griechischsprachigen Juden Anatoliens, die bereits Jahrtausende vor den spanischen Juden dort lebten. Es ist das Gesicht der direkt aus Israel und Babylon stammenden Diaspora-Juden, die seit dem 6. Jahrhundert vor Christus in Kleinasien siedelten.
Als ich auf Gesichter traf, die aussahen wie meine Verwandten – ohne jeden Zusammenhang, ohne gemeinsame Sprache oder Geschichte – war das nicht Zufall. Das war eine genetische Erinnerung, die das kollektive Vergessen überlebt hat. Und dass ich gleich so viele traf, und so treffsicher, so dass ich immer und immer wieder ins Staunen geriet, war wohl eher Gottes Erbarmen mit mir.
Das Schweigen hat einen Namen: Assimilation
Warum weiß niemand davon? Die Antwort ist so einfach wie sie brutal ist: weil das Vergessen aktiv betrieben wurde – durch politischen Druck, durch Angst, durch das rationale Kalkül des Überlebens.
Im Jahr 1942 erhob die türkische Regierung die “Varlık Vergisi” – eine Vermögenssteuer, die Minderheiten unverhältnismäßig hart traf. Juden, Armenier und Griechen wurden mit bis zu zehnfach höheren Sätzen besteuert als sunnitische/schiitische Türken. Wer nicht zahlen konnte, wurde in Arbeitslager deportiert. Das Signal war eindeutig: Als Mitglied einer Minderheit zu leben bedeutete Ruin.
Wer zu diesem Zeitpunkt noch wusste, was seine Großeltern gewesen waren, schwieg. Und die Kinder der Schweigenden lernten es nie.
Die Assimilation in der Karamanregion begann jedoch viel früher – spätestens im 13. Jahrhundert, als die Seldschuken und dann die Karamaniden die Region übernahmen. Eine jüdische Gemeinde in einem abgelegenen Bergdorf hatte keine Synagoge, keinen Rabbi, keine Gemeinschaft mehr – nur noch die eigene Familie. Und über Generationen verblasste auch das.
Die vollständigste Form der Assimilation ist jene, bei der die Assimilierten nicht mehr wissen, dass sie assimiliert wurden.
Die Frage nach der Anzahl
Wie viele Menschen wie ich könnte es geben? Eine exakte Zahl ist unmöglich – und genau das ist das Problem. Was nicht gezählt wird, existiert nicht. Was nicht existiert, wird nicht erinnert.
Für die bekannten Krypto-Juden der Türkei – die “Dönme”, Anhänger des falschen Messias Sabbatai Zevi im 17. Jahrhundert – gibt es Schätzungen von etwa 80.000 Menschen, von denen nur ein Bruchteil noch von ihrer Herkunft weiß. Das sind die bewusst Verborgenen.
Die unbewusst Vergessenen – Menschen wie ich, deren jüdische Abstammung nicht durch eine relativ rezente Konversion, sondern durch eine Jahrtausende lange Assimilation unsichtbar wurde – wurden nie systematisch untersucht.
Das Vergleichsbeispiel Portugal gibt zu denken: Dort lebten die Krypto-Juden von Belmonte 500 Jahre vollständig verborgen, bis sie 1917 zufällig entdeckt wurden. Als die Forschung einsetzte, fand man weitere Gemeinschaften. Heute schätzen Demographen, dass bis zu 1,9 Millionen Portugiesen jüdische Vorfahren haben – bei einer Gesamtbevölkerung von zehn Millionen. Anatolien hat eine erheblich längere jüdische Geschichte als Portugal, eine viel größere Fläche isolierter Bergdörfer – und bisher keine vergleichbare Forschung.
Eine KI-Schätzung würde jedenfalls drei Ebenen unterscheiden:
-Enge Definition: Menschen wie ich, bei denen Nachname, Geographie und erkennbare physiognomische Kontinuität zusammenkommen, in der Taurus/Karamanregion – möglicherweise einige Tausend Familien, d.h. vielleicht 20.000–50.000 Menschen.
-Mittlere Definition: Alle Anatolier mit bedeutendem romaniotischem oder frühem jüdischem Erbanteil, die es nicht wissen – genetische Studien deuten darauf hin, dass levantinische DNA-Marker in der türkischen Bevölkerung weit verbreitet sind. Die Präsenz von Juden in der Türkei und besonders in Anatolien wird bereits im 3. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Nach 2.500 Jahren Vermischung und Assimilation könnten es Hunderttausende sein.
-Weite Definition: Menschen mit irgendeinem jüdischen Vorfahren in den letzten 2.000 Jahren, unbewusst – hier sprechen manche Demographen von Millionen in der gesamten Türkei. Das ist aber genetisch kaum mehr trennbar von der allgemeinen Levante-Abstammung.
Was ein DNA-Test zeigen könnte
Moderne Gentests können levantinische und nahöstliche Marker identifizieren, die sich von der allgemeinen anatolischen Bevölkerungsstruktur unterscheiden. Bei Menschen mit romaniotischer oder frühjüdischer Abstammung zeigen sich häufig erhöhte Anteile des genetischen Clusters “Levante” oder “Nahostjüdisch”, die durch rein türkische oder kurdische Abstammung nicht erklärt werden.
Ich habe diesen Test nicht gemacht weil ich keinen Zweifel hege. Jehovah hat mir all diese Gesichter gezeigt, denn er hatte Erbarmen mit mir. Ich wuchs unter Katholiken auf in Tirol, ein Rüpel unter Rüpeln. Von einem Bergdorf ins nächste. Das war unser Schicksal. Doch dieser Artikel ist eine Einladung an andere – aus Yukarıçağlar, aus Taşkent, aus Ermenek, aus dem gesamten Taurus-Hinterland, aus Anatolien – das zu tun. Es gibt kein grösseres Geschenk als Gottes Volk anzugehören, zu wissen, dass man für Ihn erschaffen wurde; zu wissen, etwas mit den Engeln gemeinsam zu haben, etwas Essentielles. Jeder kennt die Bibel, den Heiligen Koran: Judenhass ist nichts als blanker Neid!
Vergessen – und umzingelt von Hass
Es gibt eine bittere Ironie in dieser Geschichte. Die Nachkommen jüdischer Gemeinden, die seit zweieinhalb Jahrtausenden in Anatolien leben – assimiliert, vergessen, unsichtbar – wohnen heute in einem Land, das von einem der virulentesten Antisemitismen der Gegenwart durchzogen wird. Die türkische Presse druckt regelmäßig Karikaturen, die an die schlimmsten europäischen Vorbilder des 20. Jahrhunderts erinnern. In Social-Media-Plattformen auf Türkisch kursieren täglich Spott, Verschwörungstheorien über jüdische Weltherrschaft, über “Dönme” (Konvertiten) in der Politik, über Israel als Drahtzieher jedes gesellschaftlichen Übels. Antisemitische Hashtags erreichen dort Millionen von Menschen – ohne jeglichen Widerstand, mit stillschweigender Duldung, selbstbewusst den Holokaust ignorierend, denn solange der Armenier-Genozid vehement abgestritten wird, exisistierte er nicht. Dieser Artikel ist auch dafür geschrieben: als Gegenstimme. Als Erinnerung daran, dass die Menschen, über die gehetzt wird, vielleicht die eigenen Nachbarn sind. Die eigene Familie. Man selbst. Der Hass trifft Schatten – Schatten von Menschen, die längst vergessen haben, wer sie sind. Das ist das eigentliche Ausmaß der Tragödie.
Was dieser Artikel nicht ist
Dieser Artikel ist weder eine Kritik an den Islam, der ja selbst vom Sunnitentum und Schiitentum assimiliert wurde – und ich lebe ja selbst, ohne Assimilierung der fingierten Sunnah, nach dem Heiligen Koran, und soweit realisierbar nach der Torah – noch eine Kritik an die türkische Identität. Er ist weder eine politische Kritik, noch ein Verschwörungsnarrativ. Er enthält keine unbelegten Behauptungen über lebende Personen.
Er ist auch kein Versuch, Menschen eine Identität aufzuzwingen, die sie nicht wollen. Wer weiß, dass seine Vorfahren Juden waren, und sich dennoch als türkischer Sunnit definiert – das ist sein Recht.
Dieser Artikel ist etwas anderes: Er ist das erste öffentliche Zeugnis eines Menschen mit Wurzeln zu dieser Region, der die Frage stellt. Er ist eine Einladung zur Forschung, zu DNA-Tests, zu Gesprächen zwischen Familien, zu Archivarbeit in osmanischen und byzantinischen Quellen. Er ist aber auch eine Einladung, ganz besonders an diejenigen, die ihr jüdisches Blut bestätigen konnten, die Tora zu lesen – unseren ewigen Daseinsgrund.
Was bleibt
Die Juden des Taurus waren keine Ankömmlinge. Sie waren seit 2.500 Jahren dort. Sie sind es vielleicht noch – in den Gesichtern, in den Knochen, in den Namen, die verschwunden wären, hätte Allah kein Erbarmen mit uns, so wie Er es uns in der Bibel versprach.
Methodik und Quellen
Die historischen Fakten in diesem Text stützen sich auf: das Buch der Makkabäer (1. Makkabäer 15,16 ff.) zur jüdischen Präsenz in Pamphylien; die Ausgrabungsberichte des Karaman Müzesi zu Sibide/Yukarıçağlar und Gökçeseki; den archäologischen Befund des Menorah-Fragments in Antalya/Attalia (2013); Wikipedia-Einträge und akademische Literatur zur Geschichte der Juden in der Türkei und zum Krypto-Judentum; demographische Forschung zu portugiesischen Krypto-Juden (Nogueiro et al., Frontiers in Genetics, 2015); sowie den Forschungsstand zu den “Dönme” (Marc David Baer, Moshe Dayan Center, Jerusalem Center for Public Affairs). Die Mengenangabe über Anatolier mit jüdischen Wurzeln beruht auf einer Schätzung des Anthropic KI-Agenten. Die persönlichen Begegnungen und Beobachtungen sind authentische Erlebnisse des Autors. Der Autor ist bereit, mit Historikern, Genetikern, Journalisten und betroffenen Familien in Kontakt zu treten (oaltinisik@mail.com).
Von Okay Altinisik | 28-5-2026, 14:41:58
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