Warum Österreichs junge Frauen trotz Aufholjagd in die Gehaltsfalle tappen

Bei unter 30-Jährigen ist die Lohnschere fast geschlossen. Junge Frauen starten oft mit besseren Abschlüssen als ihre Männer. “Ginge es rein nach der Qualifikation, müssten Frauen heute eigentlich bereits mehr verdienen als Männer.”

Solange dem Kinderwagen der Zutritt in den Operationssaal verwehrt bleibt, werden Frauen immer benachteiligt sein. Sollte dies nicht schon längst in der Gesetzgebung einkalkuliert sein?

Solange dem Kinderwagen der Zutritt in den Operationssaal verwehrt bleibt, werden Frauen immer benachteiligt sein. Sollte dies nicht schon längst in der Gesetzgebung einkalkuliert sein?

WIEN – Pünktlich zum Internationalen Frauentag 2026 zeigen neue Daten des WIFO und der Statistik Austria ein paradoxes Bild: Junge Frauen in Österreich sind so hoch qualifiziert wie nie zuvor und schließen beim Berufseinstieg die Gehaltsschere fast vollständig. Doch die “gläserne Decke” hat sich lediglich nach hinten verschoben – und schlägt ab dem 30. Lebensjahr gnadenlos zu.

Österreich bleibt beim Gender Pay Gap weiterhin ein Sorgenkind Europas. Mit einer unbereinigten Lohnlücke von rund 17,6 % (Daten für 2024/25) liegt die Alpenrepublik deutlich über dem EU-Schnitt von 11,1 %. Zwar sank der Gap seit 2011 um etwa sieben Prozentpunkte, doch die Dynamik lässt laut WIFO-Ökonomin Christine Zulehner spürbar nach.

Die Bildungs-Offensive der jungen Generation

Die gute Nachricht zuerst: Bei den unter 30-Jährigen ist die Lohnschere fast geschlossen. Junge Frauen starten heute oft mit besseren Abschlüssen als ihre männlichen Kollegen. “Ginge es rein nach der Qualifikation, müssten Frauen heute eigentlich bereits mehr verdienen als Männer”, so die Analyse des WIFO. Dass sie es im Schnitt noch nicht tun, liegt an der anhaltenden Branchensegmentierung: Männer dominieren weiterhin in hochbezahlten Industrie- und Technikberufen, während Frauen oft im Dienstleistungssektor bleiben.

Die 30er-Falle: Wenn die Kurven auseinanderdriften

Der Optimismus der frühen Berufsjahre verfliegt meist ab dem 30. Geburtstag. Das WIFO spricht vom sogenannten “Child Penalty”. Sobald die Familienplanung einsetzt, kippt das Bild:

Teilzeit-Falle: Mit einer Frauen-Teilzeitquote von über 51 % (EU-Schnitt: 29 %) ist Österreich Vize-Europameister.

Karriere-Knick: Während Männer ihre Einkommenskurve linear fortsetzen, führt die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit bei Frauen zu dauerhaften Einbußen, die sich bis zur Pension durchziehen.

Pensionsschock: Das bittere Ende der Rechnung ist ein Gender Pension Gap von rund 40 % – das höchste Armutsrisiko tragen alleinlebende Pensionistinnen.

2026: Das Jahr der Transparenz

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont ist die EU-Lohntransparenz-Richtlinie, die bis Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Sie könnte zum “Gamechanger” werden:

Verbot der Gehaltsfrage: Arbeitgeber dürfen Bewerber künftig nicht mehr nach ihrem letzten Gehalt fragen – ein Mechanismus, der bisherige Unterbezahlung oft in den neuen Job mitschleppte.

Offenlegungspflicht: Unternehmen müssen die Kriterien für ihre Entlohnung transparent machen. Bei einer Lohnlücke von mehr als 5 % müssen Betriebe künftig aktiv Gegenmaßnahmen einleiten.

Fazit der Experten

Die Aufholjagd der jungen Frauen ist real, wird aber durch strukturelle Hürden gebremst. “Transparenz allein wird die Lücke nicht schließen”, warnt das WIFO. Es brauche neben dem Gesetz auch einen massiven Ausbau der Kinderbetreuung und ein Umdenken bei der Aufteilung unbezahlter Arbeit, damit aus dem Bildungsvorteil der jungen Frauen auch ein dauerhafter Einkommensvorteil wird.

>>-> Equal Pay Day: Die Bagatellisierung der Frauensklaverei

Von Okay Altinisik | 5-3-2026, 10:51:26

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