Jenseits des Minarett-Verbotes

Der starke Rückgang der Kirchenmitgliedschaft in Deutschland führt dazu, dass immer mehr Kirchen geschlossen und ihrer religiösen Funktion entzogen werden. Anstatt jedoch leer zu stehen, werden viele dieser Gebäude umfassend umgebaut und neu genutzt. Die Formen der Umnutzung sind vielfältig und reichen von kommerziellen über soziale bis hin zu privaten Nutzungen.
In zahlreichen Fällen bleiben die äußeren Strukturen der Kirchen erhalten, insbesondere wenn sie unter Denkmalschutz stehen. Im Inneren hingegen werden die Räume vollständig neu organisiert. So entstanden in einer ehemaligen katholischen Kirche in Jülich ein Fahrradgeschäft, in Wettringen eine Soccer-Halle und in Kleve eine Box-Arena. Auch Kneipen, Bibliotheken und Buchläden nutzen heute ehemalige Kirchenräume. Ganze Klosteranlagen werden zu Hotels umgebaut, wobei bewusst an historische Bezeichnungen angeknüpft wird, um die Tradition des Ortes sichtbar zu lassen.

Eine entweihte Kirche die in ein Buchgeschäft umgebaut wurde.

Eine entweihte Kirche die in ein Buchgeschäft umgebaut wurde.

Zunehmend ist die Umwandlung von Kirchen in Wohnraum. In Städten mit Wohnungsnot wie Berlin, Essen, Köln oder Wuppertal werden Kirchen zu Mehrfamilienhäusern umgebaut. Ein frühes Beispiel ist die frühere evangelische Lukaskirche in Essen, die nach ihrer Entwidmung zu einem Wohn- und Gewerbekomplex umgestaltet wurde. Dabei blieben typische architektonische Elemente wie hohe Fenster, Kirchturm oder Grundsteintafeln erhalten, während Altarräume zu Treppenhäusern oder Wohnungen umfunktioniert wurden. Für die Bewohner steht weniger die frühere sakrale Bedeutung im Vordergrund als vielmehr die Atmosphäre.
Neben Wohnraum entstehen in umgebauten Kirchen auch soziale Einrichtungen wie Kitas oder Praxen. Solch säkulare Nutzungen werden dennoch als Fortsetzung christlicher Werte verstanden, da sie dem Gemeinwohl dienen. Und dennoch gibt es auch Kritik, etwa über den Verlust vom Glockenklang oder die Entfremdung vertrauter Wahrzeichen.
Andere betonen, dass Kirchenumbauten immer im Kontext des jeweiligen Viertels betrachtet werden sollten. Gerade in sozial benachteiligten Gegenden sollen ausgerechnet ehemalige Kirchen als Orte der Begegnung, Kultur oder des Sports eine Rolle spielen. (DW)

>>-> Wie die Kirche an ihrer eigenen Logik scheitert

Von Okay Altinisik | 28-12-2025, 13:17:29

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