Taylor Swift und Travis Kelce wurden von einem Freund getraut – dürfen sie das als bekennende Christen?

Während die Kirchen detaillierte Trauungsordnungen kennen, schweigt die Bibel zu der Frage, wer eine Ehe offiziell schließen muss. Der Heilige Koran wiederum kennt weder ein Priestertum noch ein sakramentales Imam-Amt.

Bild: Sony Feo

Als bekannt wurde, dass Hollywood-Schauspieler Adam Sandler die Hochzeit von Taylor Swift und NFL-Star Travis Kelce traute, fragten sich wohl viele: darf eine christliche Ehe überhaupt von einem Freund geschlossen werden – oder verlangt die Bibel zwingend einen Priester oder Pastor?

Die Frage mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Tatsächlich berührt sie jedoch einen grundlegenden Unterschied zwischen dem, was in den heiligen Schriften steht, und dem, was sich im Laufe der Religionsgeschichte entwickelt hat.

Ein überraschender Befund

Wer die Bibel aufmerksam liest, wird feststellen, dass sie an keiner Stelle vorschreibt, eine Ehe müsse von einem Priester, Pastor oder einer anderen geistlichen Amtsperson geschlossen werden. Genauso wie sie über Abtreibung schweigt, schweigt sie über das Eheritual.

Ebenso wenig beschreibt sie eine verbindliche Trauungsliturgie oder legt fest, wer eine Eheschließung leiten darf. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Ehe selbst – dem Bund zwischen Mann und Frau(en) vor Gott – und nicht auf der Person, die eine Zeremonie begleitet.

Dieser Befund überrascht viele Christen, da die kirchliche Trauung heute in den meisten Konfessionen als selbstverständlicher Bestandteil einer Eheschließung gilt.

Die Ehe ist älter als das Priestertum

Ein weiteres Argument ergibt sich aus der Reihenfolge der biblischen Geschichte.

Nach dem biblischen Bericht wird die Ehe bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte eingesetzt. Das levitische Priestertum entsteht dagegen erst viele Jahrhunderte später mit Mose.

Historisch betrachtet bedeutet dies: Die Institution der Ehe existiert in der Bibel bereits lange bevor überhaupt ein Priestertum eingerichtet wird.

Daraus leiten zahlreiche Bibelwissenschaftler und Theologen ab, dass das Priestertum nicht zu den ursprünglichen Voraussetzungen einer Ehe gehört.

Wie entstand dann die kirchliche Trauung?

Dass heute viele Christen eine Trauung durch einen Priester oder Pastor als selbstverständlich ansehen, ist vor allem das Ergebnis einer langen kirchengeschichtlichen Entwicklung.

In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurden Ehen überwiegend nach den jeweiligen zivilen Gesetzen und örtlichen Bräuchen geschlossen. Die Kirche begleitete diese Verbindungen seelsorgerlich und sprach ihren Segen, besaß jedoch zunächst keine einheitliche Trauungsordnung.

Erst im Mittelalter gewann die Kirche zunehmend Einfluss auf das Eherecht.

Einen entscheidenden Wendepunkt markierte das Konzil von Trient (1545–1563). Als Reaktion auf Streitigkeiten über heimliche Eheschließungen schrieb die römisch-katholische Kirche vor, dass Katholiken ihre Ehe grundsätzlich vor einem bevollmächtigten Priester und Zeugen schließen müssen.

Diese Vorschrift ist kirchenrechtlicher Natur. Eine ausdrückliche biblische Anweisung, dass ausschließlich ein Priester eine Ehe schließen dürfe, existiert hingegen nicht.

Auch viele protestantische Kirchen entwickelten später feste Trauungsordnungen. Sie beruhen jedoch ebenfalls auf kirchlicher Tradition und Ordnung, nicht auf einer ausdrücklichen neutestamentlichen Vorschrift.

Was sagen die christlichen Konfessionen?

Die unterschiedlichen Kirchen bewerten eine Trauung durch einen Freund bis heute verschieden.

Die römisch-katholische Kirche betrachtet die Ehe als Sakrament. Nach ihrem Kirchenrecht muss sie grundsätzlich vor einem bevollmächtigten Priester oder Diakon sowie zwei Zeugen geschlossen werden. Eine Trauung durch einen Freund ohne entsprechende Beauftragung würde daher normalerweise nicht als gültige katholische Eheschließung anerkannt.

Ähnlich verhält es sich in den orthodoxen Kirchen. Dort gehört der priesterliche Trauungsritus untrennbar zum Sakrament der Ehe. Ohne einen orthodoxen Priester kommt nach orthodoxem Verständnis keine sakramentale Ehe zustande.

Die evangelischen Landeskirchen unterscheiden dagegen zwischen der staatlichen Eheschließung und der kirchlichen Trauung. Die Ehe entsteht rechtlich durch die standesamtliche Eheschließung; die kirchliche Trauung ist ein Gottesdienst, in dem Gottes Segen für das Ehepaar erbeten wird. Eine Zeremonie durch einen Freund ersetzt zwar keine kirchliche Trauung, berührt jedoch die staatliche Ehe nicht.

Unter den Freikirchen bestehen unterschiedliche Auffassungen. Manche erwarten eine Trauung durch einen ordinierten Gemeindeleiter, andere messen dem Zeremonienleiter eine geringere Bedeutung bei und stellen den öffentlichen Ehebund vor Gott und der Gemeinde in den Mittelpunkt.

Gemeinsam ist allen Konfessionen, dass ihre jeweiligen Regelungen auf kirchlicher Ordnung beruhen. Sie gehen über das hinaus, was die Bibel ausdrücklich festlegt.

Der Heilige Koran kennt ebenfalls kein Priestertum

Ein bemerkenswerter Vergleich ergibt sich beim Blick auf den Koran.

Auch dort findet sich keine religiöse Priesterklasse, die als notwendige Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen fungiert. Der Koran beschreibt den Menschen als unmittelbar Gott verantwortlich – “Moslem” bedeutet nichts anderes als “Untergebener” auf Arabisch. Jeder Gläubige steht persönlich vor seinem Schöpfer und trägt Verantwortung für seinen Glauben und seine Taten.

Zwar verwendet der Koran den Begriff Imam, jedoch nicht im heutigen institutionellen Sinn eines religiösen Amtes. Das Wort bezeichnet im koranischen Sprachgebrauch einen Anführer wie Abraham, oder das Register worin unsere Taten niedergeschrieben werden.

Die späteren Institutionen des Imamats – sowohl im Sunnitentum als auch im Schiitentum – entwickelten sich erst nach der Offenbarung des Korans und lehnen sich, vergleichbar mit der Idolisierung des Propheten, an die Handhabe im Chritentum an. Ebenso wenig kennt der Heilige Koran ein sakramentales Priestertum, das Ehen schließen oder als notwendiger Mittler zwischen Gott und Mensch auftreten müsste. Lediglich der Bund durch den Eheknoten existiert in der heiligen Schrift als einziges Hochzeitsritual.

Damit unterscheidet sich der koranische Befund von vielen späteren religiösen Institutionen. Er erkannte schon damals, dass der Klerus, der ja schließlich den trinitarischen Polytheismus hervorbrachte, kontraproduktiv für den Glauben ist und schaffte ihn komplett ab. Gleichzeitig erinnert er daran, dass auch die Bibel selbst keinen geistlichen Trauungsleiter als Voraussetzung einer Ehe vorschreibt. Es stellt sich die berechtigte Frage: wofür brauchen wir denn Klerus dann noch?

Offenbarung, Tradition und Missbrauch

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sowohl Kirchen als auch sunnitische/schiitische Gemeinschaften institutionelle Strukturen, Ämter und feste Rituale. Diese erfüllen wichtige religiöse und gesellschaftliche Funktionen. Sie sind jedoch nicht in jedem Fall unmittelbar aus den heiligen Schriften ableitbar und werden gerade in der katholischen Kirche für den Kindesmissbrauch missbraucht, und zwar systematisch wie wir von den Statistiken ablesen können. In manchen australischen Diözesen vergriffen sich über 15% der Priester an Kindern: sei es in Schulen, in der Beichte, im Internat, im Chor. Weltweit sind es etwa 7%. Jede andere Institution wäre schon längst geschlossen.

Während die Kirchen also detaillierte Trauungsordnungen kennen, schweigt die Bibel zu der Frage, wer eine Ehe offiziell schließen muss. Der Heilige Koran wiederum kennt weder ein Priestertum noch ein sakramentales Imam-Amt.

Fazit

Die Trauung von Taylor Swift und Travis Kelce durch ihren Freund Adam Sandler sorgt für Zündstoff, der weit älter ist als die Schlagzeilen der Gegenwart.

Der Blick in die Religionsgeschichte zeigt, dass die heute selbstverständliche Trauung durch einen Priester oder Pastor vor allem das Ergebnis kirchlicher Traditionen und kirchenrechtlicher Entwicklungen ist. Sie ist vor allem eines: der Service eines Systems, dass aus Spenden und Steuergeldern Arbeitsplätze für Dienstleistungen schafft, die niemand benötigt, so wie es die Schriften mit ihrem Schweigen offenbart haben. Und dieses System ist leider auch ein Schutzraum, worin Kindesmissbrauch ungestört stattfindet. Es stellt sich die Frage: was unternehmen die Regierungen dagegen?

Die prominente Hochzeit stellt auch eine grundlegende Frage an die Religionsgeschichte: Wo endet die Offenbarung – und wo beginnt die unnütze Tradition?

Wir wünschen Taylor und Travis jedenfalls eine glückliche Ehe und gratulieren vor allem für die Entscheidung, mit der unbiblischen Tradition zu brechen – nach dem Motto: Shake it off!

Von Okay Altinisik | 6-7-2026, 2:54:43

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